Rheinland-Pfalz

Pilotprojekt des Landes Rheinland-Pfalz

"Familiengerechtes Wohnen mit Kindern in Föhren"

Das Wohnhofprojekt "Im Käulchen"

Föhren

 

 


Einführung

Vom Problem zur Projektidee

Projektvorbereitung

Projektumsetzung

Auswertung und Empfehlungen

Service

 


Auswertung und Empfehlung: Projektspezifische Erkenntnisse

Allgemeine Vorteile des gemeinschaftlichen Vorgehens

  • Die Bildung von Arbeitsgruppen hat den Arbeitsaufwand bei der Informationsbeschaffung für jeden einzelnen reduziert .
  • Gezielte Informationen durch gemeinsame themenorientierte Exkursionen.
  • Günstigere Darlehensbedingungen durch gemeinsames Herantreten an eine Bank.
  • Unterstützung der Familien, die sich allein nicht an den Bau eines Hauses gewagt hätten.
  • Gegenseitige Hilfe bei den Eigenleistungen.
  • Durch die gemeinsame Spiel- und Kommunikationsfläche verfügen die Familien trotz kleiner Individualgrundstücke über eine große nutzbare Gemeinschaftsfläche.
  • Eltern und Kindern zogen nicht in eine anonyme Wohnsiedlung, sondern in ein ihnen schon vertrautes Umfeld von bekannten Nachbarn. Der besonders für kleine Kinder wichtige wohnungsnahe Spielraum ist durch den autofreien Innenhof verkehrsfrei und von den Wohnküchen aus einsehbar.
  • Mitbestimmung bei der Grundstücksgröße und dem –zuschnitt.
  • Beschleunigtes Erschließungsverfahren.
  • ExWoSt-Zuschüsse im Bereich investiver ökologischer und sozialer Maßnahmen (Spielhof, Zisternen) sowie der vorbereitenden Planung.

Exposés

Es hat sich zwar bewährt, dass der Verein erst nach einer intensiven Vorbereitungsphase an potentielle InteressentInnen herangetreten ist, in einigen Bereichen wäre aber detaillierteres Wissen früher notwendig gewesen, um die Familien zu informieren. Die in der Konzeption eingeplante Einbindung der Bauwilligen hat sich immer dann als negativ heraus gestellt, wenn für offene Fragen oder noch nicht gelöste Details keine Auswahlspektrum möglicher Antworten seitens des Vorstands vorgegeben wurde. Viele Fragen erübrigten sich erst, nachdem den Familien deren Beantwortung anhand der Exposés selbst möglich war. Diese durch das Land Rheinland-Pfalz geförderten Exposés spielten eine zentrale Rolle bei der Entscheidungshilfe für ein Grundstück, weil hier die Vor und Nachteile für jedes Grundstück detailliert herausgearbeitet waren und gemeinsam durchgesprochen werden konnten.
Als Konsequenz aus den gemachten Erfahrungen mit den Bauherren bleibt festzustellen, dass es nicht sinnvoll ist, zu früh mit der Öffentlichkeitsarbeit und Gruppenbildung zu beginnen. Die BewerberInnen sollten möglichst klare Vorstellungen bekommen, worauf sie sich mit einer Bewerbung einlassen und was auf sie zukommt. Zu diesem Zweck wäre es für das Projekt hilfreich gewesen, wenn die Exposés schon viel früher zur Verfügung gestanden hätten, was aufgrund des Bewilligungszeitpunktes leider aber nicht möglich gewesen war.

Grundstücksverteilung

Bei der Grundstücksverteilung hat sich die Konsensfähigkeit der Gruppe gezeigt. Ein für alle Beteiligten akzeptabler Kompromiss ist nur durch die Zurücknahme der eigenen Interessen möglich geworden. Auch der Beschluss, die Gründungskosten umzulegen hat bewiesen, dass eine funktionierende Gruppe in der Lage ist, auch schwierige Situationen zu meistern und nicht immer alles vorgegeben werden muss. Zwar hat nicht jede Familie ihr Lieblingsgrundstück erhalten, aber durch die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen jedes Areals konnten auch bei einer als etwas ungünstiger eingestuften Fläche die positiven Seiten entdeckt werden. So ist eine höhere Zufriedenheit als mit einem zugeteilten Grundstück zu erwarten.

Vertragliche Festlegungen

Da auch die juristischen Festlegungen und Verträge von der Gruppe erarbeitet (oder zumindest begleitet) wurden, stand die Frage des Zeitpunktes der vertraglichen Festlegung im Anfangstadium lange im Zentrum der Diskussionen. Während im Interesse der Planungssicherheit und Konkretisierbarkeit für einen Teil der Familien eine frühzeitige Bindung möglichst vieler Beteiligter sehr wichtig war, war das ganze Projekt für andere eine Variable mit zu vielen Unbekannten. Sie waren erst dann bereit sich festzulegen, als ihnen ein Maximum an Informationen zur Verfügung stand.
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Energieversorgung

Unter den gegeben Möglichkeiten ist die Gas-Brennwerttechnik in Verbindung mit Sonnenkollektoren und Kaminofen sicherlich eine sehr ökologische Form der Energieversorgung. Dies muss aber für andere Projekte keinen Vorbildcharakter haben, da aufgrund der Gegebenheiten die viele andere Möglichkeiten ausschieden. Hinzu kommt, dass neue ökologische Formen der Wärmeversorgung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben wie zum Beispiel die Verbrennung von Holzpelletts. Für das Projekt wäre dies aber aufgrund mangelnden Platzes zur Lagerung nur eine zentrale Anlage in Frage gekommen.

Garagenhof

Um die individuellen Stellplätze gab es viele Differenzen in der Grupe, da die zur Verfügung stehende Fläche relativ gering ist. Vielen ist erst im Laufe der Projektentwicklung klar geworden, dass hier Einschränkungen und Kompromisse notwendig sind. Darüber hinaus divergieren die Einstellungen zum motorisierten Individualverkehr in der Gruppe sehr. Hier war wenig gegenseitiges Verständnis vorhanden, was letztlich nur die gesellschaftliche Realität widerspiegelt. Eine starre Zuteilung von Anfang an wäre hier sicherlich besser gewesen.

Grenzen einer gemeinsamen Bauweise

Während es in der Regel bei den großen Gewerken sinnvoll war eine gemeinsame Ausschreibung zu machen, gab es auch Bereiche, die von Anfang an individuell hätten angegangen werden sollen. Man hätte sich in Arbeitsgemeinschaften gemeinsam über Materialien und Anbieter informieren können um dann selbst einen Weg zu wählen. Der Versuch sich zu einigen und alle Ansprüche unter einen Hut zu bekommen hat viel Zeit und Energie gekostet. Die Hoffnung war, dass es sich bei den Gruppenrabatten auszahlt, was aber häufig nicht der Fall war.

Vorteile für die Gemeinde

Im Gegensatz zu einem vergleichbaren, von einem konventionellen Bauträger durchgeführten Projekt, wusste die Gemeinde von Anfang an, mit welcher Personengruppe sie es zu tun haben wird. Die Gruppe wurde frühzeitig in die Gemeinde integriert, da die Sozialfindungsphase, sowie das gemeinschaftliche Planen und Bauen in Föhren nicht nur die Gruppe untereinander stärkte, sondern sie auch sukzessive im Gemeindeleben verankerte. Der Gemeinde wurde das selbstgesteckte Ziel, kostengünstigen Wohnraum für Familien zu schaffen weitgehend vom Verein »Wohnen mit Kindern« abgenommen. Die Gemeinde kann sich mit dem Wohnhof als innovativ und offen darstellen und ein zukunftsweisendes Vorzeigemodell im Rahmen von ExWoSt des Landes Rheinland-Pfalz vorweisen.