Rheinland-Pfalz

Pilotprojekt des Landes Rheinland-Pfalz

"Familiengerechtes Wohnen mit Kindern in Föhren"

Das Wohnhofprojekt "Im Käulchen"

Föhren

 

 


Einführung

Vom Problem zur Projektidee

Projektvorbereitung

Projektumsetzung

Auswertung und Empfehlungen

Service

 


Auswertung und Empfehlung: Zusammenfassung

Sozialfindungs- und Planungsphase

Kernstück der Sozialfindungs- und Planungsphase waren die gemeinsamen wöchentlichen Sitzungen, die gut vorbereitet, geleitet und protokolliert wurden. In der eineinhalb Jahren dauernden Planungszeit hat sich Gruppe durch diese vielen Treffen gut kennengelernt. Durch das gemeinsam gesteckte Ziel schaffte es die Gruppe auch Krisensituationen zu bewältigen und lernte miteinander konstruktiv zu streiten. Jedoch hat die abschließende Evaluation auch auch gezeigt, dass es viele belastet hat, fortwährend Kompromisse finden zu müssen (und so mancher Kompromiss hat auch bares Geld gekostet).

Belegungskonzept

Es hat sich herausgestellt, dass es nicht ganz einfach ist, für ein Wohnhofprojekt in dörflicher Umgebung InteressentInnen zu finden. So kam das erarbeitete Belegungskonzept im Sinne einer Quotierung einzelner Gruppen nie zum Tragen und der Zeitraum zwischen Bewerbung und verbindlicher Festlegung war mit ungefähr einem halben Jahr zu lange. Diese Zeit der Entscheidungsfindung hat dazu geführt, dass relativ lang unsicher war, aus welchen Familien sich die Gruppe zusammensetzen wird und ob die Projektrealisierung überhaupt gelingen sollte. Dies verunsicherte wiederum diejenigen, die sich schon relativ früh fest entschlossen hatten im Projekt zu bauen. Hier hätten möglicherweise zwei Bauphasen für Entspannung gesorgt. Wegen der erhofften Rabatte bei einer gemeinsamen Vorgehensweise sah man davon aber ab.

Eigenverantwortung

Es gelang dem Verein nicht, allen Familien deutlich zu machen, dass es nach Abschluss von Vorbereitungs- und Sozialfindungsphase nur noch bedingt das Projekt des Vereins war, der sich als Initiator versteht. So fehlte oft die Bereitschaft auftretende Fragen und Probleme gemeinsam zu lösen. Vielfach wurde an den Verein herangetreten, als ob er eine Bringschuld hätte, weil er das Projekt ins Leben gerufen hatte. Es hat lange gedauert bis allen klar war, dass es sich ab einem gewissen Planungsstadium um das eigene Haus handelt, für dessen Entstehung auch Eigenverantwortung übernommen werden muss. Hieraus lässt sich der Bedarf einer Koordinationsperson ableiten, die ein solches Projekt über die Bauphase hinaus begleitet.

Eigenleistungen

In der Planungsphase führte die Gründung verschiedener thematischen Arbeitsgemeinschaften  zu einem einen verminderten Arbeitsaufwand für jeden Einzelnen, weil sie die vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen bündelten. 
Während der Bauphase stellete es sich als problematisch heraus, dass die Häuser (wenn auch in kurzem zeitlichen Abstand) 
nacheinander erstellt wurden und so die einzelnen Familien unterschiedlich schnell bei ihren Eigenleistungen am Bau arbeiteten. Es war so außerordentlich schwierig, die gegenseitige Selbsthilfe zu organisieren. Hier war es nur schwer oder gar nicht möglich, eine Einführung beispielsweise bei den Fliesenarbeiten zu machen, wenn noch nicht einmal der Estrich fertig war und man sich möglicherweise gerade mit der Verlegung der Elektroinstallation herumschlug. Hinzu kamen der hohe Zeitdruck, unter dem einige Familien standen und der unterschiedliche Umfang bei den Eigenleistungen (0 bis 75 % im Innenausbau). Trotzdem hat in einigen Gewerken die koordinierte Selbsthilfe gut funktioniert. Erfolgreich war dies vor allem dann, wenn neben der einmaligen ausführlichen Einweisung eine ständige Begleitung und Zusammenarbeit während der Bauphase durch die Fachfirma erfolgte. So konnten die Bauherren im Elektrogewerk ihre Leitungen ziehen, während die Fachfirma in einem anderen Haus die Verklemmungen vornahm. Tauchten Fragen auf, war es möglich sich direkt an den Handwerker oder Meister zu wenden. Da die Firmen aufgrund der vielen Häuser recht lange vor Ort waren, konnten sich die Bauherren auch mit der einen oder anderen Frage an die Handwerker wenden, bzw. schauen, wie bestimmte Details von den Fachfirmen gelöst wurden. So konnte ein Besuch in einem der Nachbarhäuser ein Problem oft schnell lösen. Hier hat sich die gleiche Bauweise bewährt: Alle Probleme tauchten bei allen in ähnlicher Weise irgendwann einmal auf. Während so die Familien in den zuerst aufgestellten Häusern etwas mehr experimentieren mussten und entsprechend weniger Vorteile hatten, konnten die anderen von deren Fehlern und Wissen profitieren.

Alltag

Hier unterscheidet sich das Projekt auf den ersten Blick kaum von anderen Wohnformen: Bei den Erwachsenen gibt es die engsten Beziehungen zwischen den Familien, die sich in ihrem Lebensstil beziehungsweise in ihrer gesellschaftlichen Wertehaltung ähneln. Beim näheren Hinsehen ist allerdings festzustellen, das viele Dinge, die sich in anderen Neubaugebieten erst im Laufe der Zeit entwickeln, im Wohnhof praktisch vom Tag des Einzugs an funktionierten:

  • Einigen Eltern ist es nicht möglich, schon zum Schulschluss daheim zu sein. Hier gehen die Kinder zu den Nachbarn zum Mittagessen.
  • Fällt die Schule einmal unerwartet aus oder kommt ein Kind früher als geplant zurück, dann ist die Unterbringung selten ein Problem.
  • Für die Versorgung von Katzen, Hunden, Kaninchen und Blumen in der Urlaubszeit findet sich immer jemand.
  • Wer einen Termin hat, wo die Kinder nicht mitgenommen werden können, weiß das genügend Familien da sind, bei denen die Kinder bleiben können. Auch die kleinen Kinder sind mit den Nachbarn so vertraut, dass sie sich dort wohlfühlen.
  • Fahrgemeinschaften zur Arbeit.
  • Gemeinschaftliche Benutzung von Werkzeugen, Autos und anderen Gerätschaften.
  • Gegenseitige Unterstützung beim Einkauf.
  • Gegenseitige Unterstützung bei den Hausaufgaben.

Finanzen

Bezüglich der Kosten, kann festgestellt werden, dass »Wohnen mit Kindern e.V.« sich mit der Pilotierung auf gewisse Rahmenbedingungen verpflichtet hatte, in denen einerseits einkommensschwache Familien als Zielgruppe genannt werden, andererseits aber auch der Anspruch an eine ökologische und ressourcenschonende Bauweise formuliert wird. Diese Gratwanderung konnte trotz der damit verbundenen Zuschüsse durch das Land nicht vollständig gelingen. Die Evaluation am Ende des Projektes zeigt, dass sich alle ProjektteilnehmerInnen darin einig sind, dass die Kosten von Anfang an zu optimistisch angesetzt waren. Hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses und der Zufriedenheit mit den Endkosten gibt es keinen einheitlichen Standpunkt.