Rheinland-Pfalz

Pilotprojekt des Landes Rheinland-Pfalz

"Familiengerechtes Wohnen mit Kindern in Föhren"

Das Wohnhofprojekt "Im Käulchen"

Föhren

 

 


Einführung

Vom Problem zur Projektidee

Projektvorbereitung

Projektumsetzung

Auswertung und Empfehlungen

Service

 


Projektumsetzung: Aufteilung und Grunderwerb

Üblicherweise setzt man sich zuerst mit den örtlichen Gegebenheiten auseinander, dann wird ein Grundstück gekauft, und anschließend wird konkret überlegen, was für ein Haus dort gebaut werden kann. Die Besonderheit bei der Grundstücksvergabe beim Föhrener Projekt lag darin, dass der Verein die Option für ein nicht vermessenes Areal erhalten hat und ihm die Möglichkeit eingeräumt wurde, die Aufteilung selbst vorzunehmen. Nachdem zusammen mit dem Stadtplaner die Baufenster festgelegt worden waren, hatte die Baugruppe freie Hand beim Zuschnitt der Grundstücke. Diese Vorgehensweise bietet nicht nur Chancen, sondern ist auch eine große Herausforderung, da verständlicherweise jede Familie den für sich optimalen Platz haben möchte. Deshalb musste bei diesem Prozess mit besonderer Sensibilität und Umsicht agiert werden, weil die Auswahl des Grundstücks weitreichende Konsequenzen für die Familien hat. Hinzu kam, dass bei der Beschäftigung mit dem Areal deutlich wurde, dass die zu erwartenden Gründungskosten bei den einzelnen Grundstücken sehr unterschiedlich sind: Aufgrund der hängigen Lage und den ungewissen Bodenverhältnissen sind teilweise Stützmauern und Tiefergründungen notwendig. Damit dies nicht zu einem individuellen Nachteil für die einzelnen GrundstücksbesitzerInnen wurde, beschloss die Gruppe, dass alle während der Bauphase anfallenden Gründungskosten auf alle umgelegt werden. Diese Entscheidung war Grundlage für eine Grundstückswahl nach kalkulierbaren Kriterien. Seitens des Vereins wurde daher ein mehrstufiges Vorgehen mit ausreichend Bedenkzeit vorgeschlagen:

1.  Grobe Festlegung der Grundstücksgrenzen.

2.  Individuelle Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen jedes Grundstückes anhand der Exposés.

3.  Festlegung der eigenen Bedürfnisse und einer persönlichen Rangfolge.

4.  Einigung auf Wertigkeiten und Festlegung von Zu- oder Abschlägen auf den Grundstückspreis.

5.  Gemeinschaftliche Erarbeitung neutraler Bewertungskriterien für die Grundstücksvergabe.

6.  Erneute Bildung individueller Rangfolgen.

7.  Konsensbildung.

8.  Grundstücksverteilung.

9.  Grenzziehung in Absprache mit den zukünftigen Nachbarn.

Nach der Analyse der individuellen Rangfolge stellte sich heraus, dass es für die Betroffenen kein »Filetstück« gab, sondern die verschiedenen Charakteristika der einzelnen Grundstücke für die Familien unterschiedlich interessant waren: Während dem einen die Gartensüdseite wichtig war, bevorzugte der andere eher die Abendsonne. Wo der eine die höheren Grundstückskosten des Eckhauses scheute, war der andere froh, dass er einen größeren Garten zur Verfügung haben konnte. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die allgemein gültigen Bewertungskriterien für die Vergabe gelegt:

-    Kinderzahl

-    Zahl der geplanten Wohneinheiten im Eigenheim

-    finanzieller Spielraum der Familien

-    Nachbarschaftsbeziehungen.

-    individuelle Wünsche.

Mit Hilfe der Exposés und des Kriterienkataloges, machte sich jede Familie Gedanken, in welchem Bereich der vorgegebenen Baufenster sie sich ihr Eigenheim vorstellen könnten. Die intensive Beschäftigung mit den Wertigkeiten und Kriterien hat den Familien bei der Entscheidungsfindung geholfen. Jede Familie gab einen primären und sekundären Grundstückswunsch an und die Gruppe kam im Rahmen der Konsensbildung zu dem Schluss, dass der Prozess reibungslos zu Ende gebracht werden konnte, wenn jeder Familie ihr Zweitwunsch zugesprochen wurde.

Nach diesem Schritt galt es nun noch, die Grundstücksgrößen mit seinen zukünftigen Nachbarn abzusprechen und die Grundstücke den persönlichen Wünschen und Erfordernissen anzupassen. Die ausgehandelten individuellen Grundstücksgrößen und –zuschnitte wurden dann dem Stadtplaner mitgeteilt, der diese so in den B-Plan übernahm und so auch schließlich vom zuständigen Ingenieurbüro für den Grundbucheintrag vermessen werden konnten. Anschließend wurden die Grundstücke und ein Stellplatzanteil von der Gemeinde erworben.