Rheinland-Pfalz

Pilotprojekt des Landes Rheinland-Pfalz

"Familiengerechtes Wohnen mit Kindern in Föhren"

Das Wohnhofprojekt "Im Käulchen"

Föhren

 

 


Einführung

Vom Problem zur Projektidee

Projektvorbereitung

Projektumsetzung

Auswertung und Empfehlungen

Service

 

 
Vom Problem zur Projektidee: Wohnen mit Kindern e.V.

Aus der Unzufriedenheit und Not einer Elterngeneration mit den Wohnbedingungen für Familien in den 70er Jahren ging der Verein »Wohnen mit Kindern e.V.« hervor. Alle Mitglieder hatten Erfahrungen mit Mini-Stehküchen, kleinen Kinderzimmern und weit entfernten Spielplätzen gesammelt und ihre oft leidvollen Erlebnisse mit kinderfeindlichen Nachbarn hatte sie zusammengeführt. Die Initialzündung für die Gründung eines Vereins ging 1975 von der Moerser Publizistin Elisabeth Dessai († 1997) aus, die das Fehlen eines großen Kommunikationsraumes für das alltägliche Zusammenleben anprangerte und einen Zusammenhang zwischen den ständigen Ermahnungen der Eltern und dem Zuschnitt der Wohnungsgrundrisse herstellte. Arbeitsschwerpunkt des Verbandes ist die Beratung, Betreuung, Planung und Realisierung von Wohnungs- und Wohnumfeldmodellen. Der Verein ist dezentral organisiert und bundesweit mehrere Ortsverbände. Zentrale Punkte der Vereinsphilosophie sind

1. Eine familienfreundlichen Architektur

  • Wohnküche
    Hier kann ein großzügiges Kommunikationszentrum für Jung und Alt entstehen und die Kinder können dort an allen Funktionen zur Regeneration der Familie teilhaben. Die Wohnküche soll als Allzweckraum eine Alternative zu den konventionell getrennten Funktionen sein. Hier können die Kinder in die Vorbereitung der Mahlzeiten mit einbezogen werden, Spielen oder Schularbeiten erledigen. Besonders dem Geborgenheitsbedürfnis der kleinen Kinder wird damit Rechnung getragen.

  • Flexible Wohnungsgrundrisse
    Damit wird man der Dynamik der Familie im Laufe der Jahre gerecht: Während die Eltern ihre Kleinkinder möglichst nahe am eigenen Schlafraum haben, wächst mit zunehmendem Alter der Kinder der Wunsch nach räumlicher Distanz. Spätestens das Jugendzimmer, in dem es mit Sicherheit abends auch einmal laut ist, sollte sich möglichst weit weg vom Elternschlafzimmer befinden. Dann kann sich die Familiensituation zum Beispiel auch dahingehend ändern, dass aufgrund einer beruflichen Veränderung ein Arbeitszimmer benötigt wird. Auch wenn die Kinder nach und nach aus der Wohnung ausziehen ist wieder Flexibilität angesagt.

  • Durchdachte Gesamtkonzeption
    Kreativität bei der Planung ist auch gefragt, wenn es um potentielle Konfliktbereiche durch das häufige »Rein und Raus« der Kinder geht. Aus Sicht der Eltern wird dies problematisch wenn sich ständig »Straßen« in der Wohnung bilden. Die Kinder werden allerdings in ihrer Bewegungsfreiheit gehemmt, wenn sie ständig Barrieren, wie z.B. Treppen, Flure oder mehrere Türen, überwinden müssen oder übertriebene Vorsicht beim Betreten der Wohnung angesagt ist. Eine Lösung sind hier Wohnküchen im Erdgeschoss oder Außentreppen zum ersten Stockwerk, sowie robuste und pflegeleichte Materialien in Diele und Wohnküche. Eine Antwort auf möglichen Schmutz durch die Wege von draußen zur Toilette ist ein Klo oder Bad im Eingangsbereich. Hier kann auch einmal ein völlig schmutzig vom Spielen heim kommendes Kind gewaschen werden, bevor es die Wohnung betritt.

2. Wohnungsnahes Umfeld

Der Wohnungsbau darf nicht vor der Haustüre enden. Es hat sich gezeigt, dass jüngere Kinder das wohnungsnahe Umfeld nur dann nutzen wenn der Bereich um 100 Meter von der Wohnung gut und ungefährdet erreichbar ist. Dort findet für die Kinder das soziale Lernen statt, weil sie hier mit anderen Werthaltungen und Verhaltensweisen als in der eigenen Familie konfrontiert werden und sich damit auseinandersetzen müssen. Dieser Bereich ermöglicht Kindern im Schutz der familiären Umgebung probeweise zu agieren und zu beobachten. Sie können hier eigenständig Spielen, sind aber immer in unmittelbarer Sichtverbindung zu ihren Eltern.

Aus diesen Überlegungen heraus sind überschaubare Wohnsiedlungen nach folgenden Gesichtspunkten zu planen:

-    Wohngebieten mit Verkehrsberuhigung und Begrünung,

-    wohnungsnahe, autofreie Spielmöglichkeiten, wie z.B. ein Spielhofplatz, der von der Wohnung aus einsehbar ist,

-    halböffentliche Bereiche, mit eingeschränkter Zugänglichkeit für Fremde,

-    kommunikationsfördernde Architektur, z.B. Gruppierung von Häusern um einen Spielhof,

-    Wohnen mit Gemeinschaftseinrichtungen,

-    Haus- und Wohngemeinschaftsmodelle, Wohngruppen.

3. Soziale Umgebung

Von guten Nachbarschaftsbeziehungen können Eltern wie Kinder gleichermaßen profitieren. Es wird auf eine soziale Umgebung hingearbeitet, in der es leicht fällt, sich gegenseitig zu helfen und in der sich die Kinder nicht nur in den eigenen vier Wänden wohl fühlen. Dabei geht es in dem Projekt darum, die traditionelle dörfliche Nachbarschaftshilfe, die innerhalb der dort gewachsenen Struktur selbstverständlich ist, im Wohnhof zu forcieren. Die Projektidee bietet die Struktur für eine vorbildliche Nachbarschaft. Einerseits lernt man sich schon in der Planungsphase kennen und kann sich schon während der Bauphase gegenseitig helfen. Andererseits ist die architektonische Anordnung so geschaffen, dass fast zwangsläufig im Wohnhof – als dem Herzstück der Wohnanlage – Kontakte und Gespräche entstehen.

 

Trier und Umland

Auch in Trier hatte sich 1992 eine Gruppe von Familien zusammengefunden, die sich selbständig im Wohnungsbau für eine ganzheitliche Entwicklung ihrer Kinder einsetzen wollten. Diese Gruppe entwarf ihr eigenes Konzept, das aus den Grundsätzen des Bundesverbandes abgeleitet wurde. »Wohnen mit Kindern e.V. (Trier und Umland)« hat neue Ideen entwickelt, aus denen schließlich das Wohnhofprojekt in Föhren hervorging. Einige Jahre nach Abschluss des Föhrener Projektes fanden sich leider niemand mehr, der den Verein weiter mit Leben füllte und so musste der Ortsverband 2005 leider aufgelöst werden.